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Andrea Rausch beginnt zunächst mit einer Bezeichnung der puren Leinwand, mit einem Anfangssignal, welches sie ein "Beschmutzen" nennt. Das ist aber, wie das Wort schon ausdrückt, nicht Farbe als Evokation, sondern, ein wenig provozierend auch, das Besetzen, die persönliche Inanspruchnahme der unbefleckten Leinwand. Im so langsam eroberten Bildraum sind es dann die bestimmte Pinselstruktur, der spezielle Farbauftrag und bereits die sich ergebenden Figuren, die, und das ist nun ganz anders, nach bestimmten Farben verlangen, oder eine bestimmte Farbe, eine Substanz nach Zuordnung durch eine Figur. Dabei gibt es eine Vielfalt von Strukturen, Figuren, räumlichen Bezügen, die sich nicht, wie man vielleicht erwarten könnte, über einer gemeinsamen Stilebene ordnen. Im Gegenteil, die Prämisse von Stil wird geradezu zerstört, und man muß fragen, welches denn sonst der Bezugspunkt für diese Vielfalt ist. Zunächst ist das die ungebundene, keinem Kodex von Richtig und Falsch verpflichtete Phantasie, die sich doch auch nicht an festgelegte Grenzen hält. Dann aber, und man spürt, daß es dahinausläuft, eröffnet sich die Künstlerin einen ganz anderen Zugang der Kunstgeschichte, wenn sie in den Farben, Strukturen, Substanzen eben jenen Wert entdeckt, der die Geschichte enthält. Dies bestimmte Rot von Matisse, oder dies bestimmte Grün von Bacon legen es nahe, vom latenten Gedächtnis von Farbe zu sprechen, vergleichbar jenem berühmten Gebäck der Madeleine bei Proust, dessen wiederholter Geschmack dann jene Kaskaden von Erinnerung auslöst. Genau da setzt die Künstlerin an, und es entstehen aus der Fülle ihrer Phantasie überraschende neue Zusammenhänge und vor allem ein ganz anderer Blick auf Malerei und Farbe als der, den man erwartet, weil man ihn gewöhnt ist.

Auszug aus einer Eröffnungsrede von Frau Ursula Meyer-Rogge anläßlich der Ausstellung "Auf einer Linie"; Pourpur 1999